Der wichtigste Schlüssel zum Verständnis und zur Auslegung der Schriften des Báb besteht darin, die zugrunde liegende Logik, die Gesetze und die Regeln der Auslegung zu verstehen. In der höchsten Form der Interpretation des Wortes Gottes sollten wir erkennen, dass wir alle verschiedenen Wörter, Absätze und Kapitel als eins betrachten. Die wahre Bedeutung des Korans zu verstehen bedeutet nicht, dieses oder jenes Kapitel zu verstehen, sondern ihn als Einheit, als Offenbarung Gottes, zu betrachten. Das bedeutet, nicht die Unterschiede zwischen Koran, Thora und Evangelium zu sehen, sondern sie als eine Einheit zu betrachten, als die vollkommene und reine Offenbarung Gottes.
»Segelst du hinaus auf das Meer der Namen Gottes, die sich in allen Dingen spiegeln, so wisse, dass Er erhaben und geheiligt ist, durch Seine Geschöpfe erkannt oder von Seinen Dienern beschrieben zu werden. Alles, was du wahrnimmst, wurde ins Dasein gerufen durch das Wirken Seines Willens. Wie könnte solch ein erschaffenes Ding Seine wesenhafte Einheit andeuten? Gottes Existenz bezeugt in sich Seine Einheit, während jedes erschaffene Ding durch seine Natur erweist, dass es von Gott gestaltet ist. Solcherart ist der Beweis vollendeter Weisheit nach Ansicht derer, die auf dem Meere göttlicher Wahrheit segeln.«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Aus den Dalá’il-i-Sab‘ih, 4: 10.3)
»Alle Manifestationen Gottes haben eine zweifache Stufe. Die eine ist die Stufe reiner Geistigkeit und Wesenseinheit. In dieser Hinsicht bist du, wenn du sie alle mit einem Namen benennst und ihnen dieselben Eigenschaften zuschreibst, nicht von der Wahrheit abgeirrt. So hat Er offenbart: "Keinen Unterschied machen Wir zwischen Seinen Boten." Denn sie alle rufen die Menschen dieser Erde auf, die Einheit Gottes anzuerkennen, und verkünden ihnen den Kawthar* unendlicher Gnade und Güte. Sie alle sind mit dem Gewande der Prophetenschaft bekleidet und mit dem Mantel der Herrlichkeit beehrt. Darum hat Muḥammad, der Punkt des Qur’án, offenbart: "Ich bin alle Propheten." Ebenso spricht Er: "Ich bin der erste Adam, Noah, Mose und Jesus." ... So spricht Er: "Unsere Sache ist nur eine." Da die Sache eine und dieselbe ist, kann auch ihr jeweiliger Träger nur einer und derselbe sein.«
*(Kawthar symbolisiert göttliche Gnade, überreichen Segen und spirituelle Fülle)
(Bahá’u’lláh, Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs, 22, 2)
Die 19 Gestalten der Bábi-Sendung sind als Einheit zu sehen. Keiner der Buchstaben des Lebendigen ist einzeln wichtig. Wenn sie sich vom Báb abwenden, sind sie nichts. Wenn sie als Einzelne wichtig gewesen wären, hätten sie schon vor der Erklärung des Báb Bedeutung gehabt. Sie werden wichtig, wenn sie Eigenschaften des Báb widerspiegeln, wie Mullá Husayn und Ṭáhirih. Die 19 sind eine Einheit, die durch die Manifestation Gottes symbolisiert wird. Alle Manifestationen Gottes sind Symbole für die reine und vollkommene Offenbarung Gottes. Die Wahrheit von allem ist eins: Alles ist schön. In der Tora heißt es: "Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut" (Genesis (1. Mose) 1,31.). Das ist die gleiche Bedeutung. Da alles ein Abbild Gottes ist, ist auch alles gut.
»Um Deinetwillen habe Ich alles Erschaffene gestaltet und Dich kraft Meines Willens zum unumschränkten Herrscher über die ganze Menschheit eingesetzt. Mehr noch, Ich habe verordnet, dass jeder, der Meine Religion annimmt, an Meine Einheit glaubt; und diesen Glauben habe Ich verknüpft mit dem Gedenken an Dich und nächst Dir mit dem Gedenken an die, welche Du mit Meiner Erlaubnis zu den "Buchstaben des Lebendigen" machtest, und an alles, was aus Meiner Religion im Bayán offenbart wurde.«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Aus verschiedenen Schriften, 6: 9.3)
»So achtet nicht eures Beginns, dass ihr vielleicht am Tag eurer Wiederkehr errettet werdet. Fürwahr, Gott hat euch die Buchstaben des Lebendigen, die Beweise Seiner Wahrheit und Zeugen Seiner Gerechtigkeit einzig bestimmt, den Namen des Ersten Punktes zu erhöhen; wäret ihr doch ein wenig achtsam. All dies dient zur Verherrlichung der Sache Dessen, den Gott offenbaren wird zur Zeit Seiner Manifestation; wolltet ihr doch eine Weile nachsinnen.«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Aus dem Kitáb-i-Asmá’, 5: 20.2)
Das bedeutete, dass alles miteinander verbunden ist und alles ein Abbild Gottes ist. Daher ist alles schön, heilig und hat Rechte. Dies ist die Schaffung eines neuen spirituellen Bewusstseins, in dem alles göttlich ist und Rechte hat. Dieses spirituelle Bewusstsein bedeutet, dass du verstehst, dass alles eins ist, dass alle Dinge eine Einheit bilden und alles ein Abbild der einen ultimativen Realität, nämlich Gott, ist. Der Hauptzweck der Schriften des Báb besteht darin, dieses neue Bewusstsein zu schaffen.
»Gott bezeugt, dass es keinen Gott außer Ihm gibt. Sein sind die Reiche in den Himmeln, auf Erden und all dem, was zwischen ihnen liegt. Er ist erhaben über das Begreifen aller Dinge und unerforschlich dem Verstehen eines jeden Geschöpfs; keiner wird die Einheit Seines Wesens ergründen oder die Natur Seines Seins enträtseln können. Nichts kann Ihm je als ebenbürtig oder ähnlich, als Abbild oder Gleichnis zugesellt werden. So preiset und verherrlicht Ihn, bezeuget Seines Wesens Heiligkeit und Einheit und rühmet Seine Macht und Majestät mit wundersamen Lobesweisen. So werdet ihr befähigt, Zugang zu finden in Sein allhöchstes Paradies. Glaubtet ihr doch fest an die Offenbarung der Zeichen Gottes.«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Aus verschiedenen Schriften, 6: 3.1)
»Aller Preis sei Gott, der immer war, noch ehe die Schöpfung ins Sein gerufen ward, als da niemand war außer Ihm. Er war der Ewig-Währende, als noch kein Element Seiner Schöpfung existierte. Fürwahr, die Seelen der Einsichtigen scheitern, wollen sie die geringste Offenbarung Seiner Eigenschaften erfassen, und der Verstand derer, die Seine Einheit anerkennen, ist unfähig, das unbedeutendste Zeichen Seiner Allmacht zu verstehen.«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Gebete und Meditationen, 7:28.1)
Der Schlüssel zum Verständnis der Schriften des Báb liegt in der Erkenntnis, dass alles eins und ein Abbild Gottes ist. Daher sollten alle Dinge als göttlich betrachtet werden. Alles, auch die Natur, hat eine neue Bedeutung oder Realität. Die Natur ist heilig. Dies ist die Grundlage des Bahá'í-Glaubens. Auf diesem neuen Verständnis beruht das Prinzip der Einheit der Menschheit.
»Alle Erscheinungen und Wirklichkeiten verweisen auf die Einheit Deines Wesens und alle Zeichen und Zeugnisse spiegeln die Wahrheit, dass Du Gott bist und dass es für Dich in den Reichen von Himmel und Erde keinen Gefährten oder Gleichen gibt.«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Gebete und Meditationen, 7: 35.1)
»Ihr dürft Ihm, den Gott offenbaren wird, keine Fragen stellen außer solchen, die sich für Ihn ziemen. Denn Seine Stufe ist die des Wesens göttlicher Offenbarung … Aller Segen dieser Welt ist nur ein Abbild Seines Segens; und alles dankt seine Existenz Seinem Sein …«.
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Aus dem persischen Bayán, 3: 29.1)
Aus der Sicht des Báb ist das, was uns unterscheidet, d. h. das, was uns verschieden macht, nicht das, was unsere letzte Wahrheit ist. Unsere letzte Wahrheit ist das, was uns verbindet, was in meiner Wirklichkeit, in deiner Wirklichkeit und in der Wirklichkeit aller Dinge gemeinsam ist. Das, was in allem vorhanden ist, und deshalb ist alles ein Ausdruck derselben Wahrheit. Was ist diese letzte Wahrheit von allem? Diese Wahrheit ist die vollkommene und reine Offenbarung Gottes. Alles ist ein Spiegel. Die Spiegel unterscheiden sich voneinander – meiner hat die Form eines Kreises, deiner die eines Quadrats. Aus der Sicht des Báb liegt die Wahrheit nicht in den Eigenschaften, sondern in dem Bild, das im Spiegel reflektiert wird, in der Sonne, der Reflexion Gottes, der Offenbarung Gottes. Dies ist die letzte Wahrheit von allem.
Der Báb gibt ein Beispiel. Das Glas hat Eigenschaften, die es von anderen Gläsern unterscheiden, wie Farbe, Form, Rauheit oder Glätte. Das Bild, das sich im Glas spiegelt, unterscheidet sich von der Sonne. Das reflektierte Bild ist nicht die Sonne, sondern ein Hinweis auf die Sonne. Gott ist wie die Sonne im Himmel. Was wir verehren können, ist die Reflexion der Sonne im Glas oder im Spiegel. Aber natürlich ist das Spiegelbild ein Hinweis, aber keineswegs die Sonne selbst. Es ist nicht nur das eine Abbild Gottes, sondern ein Abbild auf der Grundlage der Eigenschaften des Spiegels oder des Glases.
»Fürwahr, dieses erhabene Wesen gleicht der Sonne am Himmel, Seine Verse ihren Strahlen, und alle Gläubigen sind, wenn sie wahrhaft an Ihn glauben, wie Spiegel, die die Sonne widerspiegeln. So ist ihr Licht nur ein Abglanz.«
»O Volk des Bayán! Wenn ihr an Ihn glaubt, den Gott offenbaren wird, so glaubt ihr zu eurem eigenen Vorteil. Er war seit je unabhängig von allen Menschen und wird es auch immer bleiben. Würdet ihr zum Beispiel zahllose Spiegel vor die Sonne stellen, so spiegelten sie alle die Sonne wider und erzeugten Bilder von ihr, wohingegen die Sonne selbst gänzlich unabhängig ist von der Existenz der Spiegel und der Sonnen, die sie abbilden. Solcherart sind die Beziehungen der bedingten Wesen zur Manifestation des ewigen Seins…«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Aus dem persischen Bayán, 3: 19.1–20.1)
Die Menschheit hat ihre Identität bisher auf der Grundlage dessen definiert, was uns trennt: Geschlecht, Hautfarbe und ähnliche Merkmale. Der Báb will diese Vorstellung zerlegen. Er möchte ein Bewusstsein schaffen, in dem wir die Reflexion Gottes in allem sehen. Nicht die Eigenschaften des Glases oder des Spiegels sind das, was wir wirklich sind, sondern das Licht, das sich darin spiegelt. Es ist unsere wahre Identität. Auf diese Weise ist alles eins, schön und hat Rechte.
»Dies erweist, o mein Gott, meine gänzliche Ohnmacht, Dich zu preisen, und offenbart mein völliges Unvermögen, Dir Dank zu sagen, geschweige denn, Deine göttliche Einheit zu erkennen oder die klaren Zeichen Deines Lobes, Deiner Heiligkeit und Deines Ruhmes zu erreichen. Nein, bei Deiner Macht, ich sehne mich allein nach Dir und suche niemanden als Dich.«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Gebete und Meditationen, 7: 4.1)
»Wahrlich, Du bist eines jeden ernsten Suchers höchstes Verlangen und das Ziel der Sehnsucht derer, die sich nach Dir sehnen. Du bist Er, der bereit ist, dem Rufe derer zu antworten, die Deine göttliche Einheit erkannt haben, und Er, vor dem die Verzagten in Ehrfurcht stehen.«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Gebete und Meditationen, 7: 15.8)
»Du hast fürwahr diese bedeutenden Ereignisse geschehen lassen, damit die Einsichtigen bereitwillig anerkennen, dass sie von Dir ausersehen sind, die Größe Deiner göttlichen Einheit darzutun und die Erhabenheit Deiner Heiligkeit zu bestätigen.«
(Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Gebete und Meditationen, 7: 19.3)
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